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Historischer Rundgang durch Hertlingshausen

(von Reinhold Pfeiffer )

 

1 Bürgerhaus.jpgWir beginnen unseren Rundgang am Ortseingang von Altleiningen kommend, am heutigen Bürgerhaus. Das im Jugendstil errichtete Gebäude wurde im Jahre 1907 als Schulhaus gebaut. Es beherbergte die Volksschule Hertlingshausen als Christliche Simultanschule. 1951 wurde eine evangelische Konfessionsschule eingerichtet, in der die katholischen Kinder Gastrecht genossen. Unterrichtet wurden die Schüler in zwei Sälen mit jeweils 4 Klassen, die Klassen 1 bis 4 in der“ kleinen“ Schule, die Klassen 5 bis 8 in der „großen Schule“. Eine bedeutende Veränderung kam mit der Einrichtung der Grundschule Carlsberg. Die Christliche Gemeinschaftsschule wurde aufgelöst. Hertlingshausen war ab 1970 Teil der Grundschule Carlsberg. Die Schüler der Oberstufe ( Klassen 5 bis 9) besuchten nun die Hauptschule in Eisenberg. Im Schulhaus von Hertlingshausen wurden nur noch 2 Klassen unterrichtet. 1985 wurde die Schule geschlossen. Das Gebäude wird nach kleineren Umbauten seitdem als Bürgerhaus genutzt.

 

2  Schulhaus alt.jpgDirekt neben dem Schulhaus steht ein heute als Wohnhaus genutztes Gebäude. Dieses Haus wurde im Jahre 1844 als Wohnhaus mit Scheuer und Stall erbaut. Zu dem Gebäude gehörte ein Pflanzgarten, wie er zur damaligen Zeit bei fast allen Gebäuden im Dorf anzutreffen war. Bedeutsam für das Dorf wurde das Gebäude nachdem es die Gemeinde im Jahre 1870 erwarb und es dann als Schulhaus in Erweiterung zu der in der Dorfmitte befindlichen Schule nutze. Im Seitenteil brachte man 1887 das Spritzenhaus unter. Später nutzte man einen Raum noch als Stellplatz für den Leichenwagen. Die Nutzung als Schule endete mit dem eingangs erwähnten Neubau der Schule im Jahre 1907. Mit dem Bau einer Leichenhalle auf dem Friedhof in Hertlingshausen im Jahre 1964 hatte der Leichenwagen ausgedient. Das Spritzenhaus, Unterstellplatz für das Feuerwehrfahrzeug, zuletzt ein VW Bus, war bis 1972 in Betrieb.

Wir kommen nun zu dem im Jahre 1927, im Gedenken an die während des 1. Weltkrieges gefallenen Soldaten aus Hertlingshausen, eingeweihten Kriegerdenkmal.

Gegenüber auf der Dreispitz zwischen der Hauptstraße und der Ramserhohl wurde im Jahre 1955 eine Tankstelle eröffnet, die aber wie so viele in kleineren Dörfern nur wenige Jahre bestand und Mitte der siebziger Jahre aufgegeben wurde.

 

Kath. Kirche Hertlingshausen 2000.jpgEtwas zurückversetzt von der Straße erblicken wir nun die noch junge, erst 1966 fertig gestellte und geweihte Katholische Kirche „ Maria vom Frieden“. Madonna 

 

Betritt man die Kirche, so fällt eine auf der rechten Seite neben dem Altar befindliche lebensgroße Marienstatue ins Auge. Es ist eine aus Lindenholz geschnitzte Kopie der spätgotischen Ravensburger Schutzmantelmadonna aus dem Jahr 1480, deren Original sich im Bode-Museum in Berlin befindet. Die Originalskulptur stammt ursprünglich aus der Liebfrauenkirche in Ravensburg. Beachtenswert sind auch die von der Künstlerin Elke Pfaffmann aus Offenbach bei Landau gestalteten Fenster.

 

Im folgenden Abschnitt der Hauptstraße sieht man Grundstücke und Häuser, einige wurden umgebaut oder abgerissen, in denen im Zeitraum der letzten 125 Jahre zeitweise Handwerker oder Geschäftsleute tätig waren. So fand man ab 1920 eine Getreideannahmestelle, die  bis1935 zu einer Kohlen-, Futterartikel und Baumaterialienhandlung ausgebaut wurde. 1968 wurde das Geschäft im Dorf verlagert. Auch gab es zwei Textil Einzelhandelsgeschäfte im Bereich bis zur Einmündung der Dorfstraße.  Geblieben sind nur wenige Einzelhandelsgeschäfte. Die Metzgerei Noll, die seit 1895 als Familienbetrieb besteht. Friedrich Noll, der zunächst als Schreiner arbeitete und zusätzlich Hausschlachtungen machte, eröffnete 1895 diesen Metzgerladen. Im Haus gegenüber, dessen ältester Teil schon vor 1813 bestand, war ab ca. 1890 die Dorfbäckerei. Von 1900 bis 1985 geführt von der Familie Pfeiffer. Seitdem ist das Geschäft eine Bäckereifiliale. In einem jüngeren Anbau befand sich von 1998 bis Ende 2014 ein Laden für Naturkost und Tee.4  Geschäfte.jpgEin Haus weiter auf der gleichen Straßenseite befand sich bis ins Jahr 2006 ein Lebensmittel Einzelhandelsgeschäft, das einst um 1910 eröffnet wurde. Julius Deppi, Jean Wimmers, Emil Dörner, Helmut Grohs und Moser, alles Namen von Geschäftsinhabern die im Dorf noch bekannt sind. Die wachsende Zahl von Supermärkten und Discountern in der Umgebung und die gestiegene Mobilität waren ausschlaggebend, dass dieses Geschäft keine Zukunft mehr hatte.

 

5  Dorfbrunnen.jpgNun kommen wir zu einem Platz mit dem „Dorfbrunnen“ der in den siebziger Jahren mit Brunnen, Sitzgelegenheiten und Blumenschmuck gestaltet wurde. Der stählerne Trog mit der Aufschrift „Hertlingshausen 1889“ stammt aus dem in der Hauptstraße gegenüber liegenden Gebäude mit großer Toreinfahrt. Der Trog wurde im 19. Jahrhundert für die damals dort befindliche Schmiede hergestellt. Der Platz ist allseits beliebt und wird gerade auch von Jugendlichen als Treffpunkt wahrgenommen. Besonders in der Zeit um die Kerwe trifft sich hier die Dorfjugend, die sich auf das bevorstehende Fest manchmal bis weit nach Sonnenuntergang einstimmt. In den frühen Morgenstunden am Kerwemontag wird dort schon seit fast 40 Jahren von allen, die das Dorf auf fahrbarem Untersatz verlassen oder hinein wollen, eine „ Maut“ kassiert, die dann für wohltätige Zwecke gespendet wird.

 

6  Zur  Linde.jpgWeiter in der Hauptstraße gehen wir nun Richtung Schollenberg, Kleinfrankreich. Links sehen wir ein stattliches Gebäude, das 1844 als Wohnhaus erbaut, im Jahre 1887 zur Straße hin um Wirtschaftsräume erweitert wurde und als Gasthaus „Zur Linde“ bis ins Jahr 1951 bestand. Danach zog dort ein Textil Groß- und Einzelhandelsgeschäft ein, das bis Anfang der 80er Jahre bestand. In den Anfangsjahren des Geschäftes fand man dort auch eine kleine Strickerei. Im Zusammenhang mit den für ein kleines Dorf vielen Textilgeschäften sei auch erwähnt, daß der Hausierhandel zwischen 1750 und 1960 für die Einwohner von Hertlingshausen eine große Bedeutung hatte. So erreichte man im Jahr 1919 mit 190 erteilten Gewerbewander-scheinen einen Höchststand. Dies bedeutete, daß 36% der  Dorfbevölkerung damals als fahrende Händler unterwegs waren. Heute dient es nach Renovierung und kleineren Umbauten der Freien Christlichen Gemeinde Carlsberg als Gemeindehaus.

 

7  Pfälzer Wald.jpgAuf der rechten Straßenseite stoßen wir auf ein weiteres Gasthaus. Die in Sandstein gehauene Zahl 1900 erinnert an das Jahr, in dem an das Gasthaus Zum Pfälzer Wald“ ein Tanzsaal angebaut wurde. Bemerkenswert ist, dass Hertlingshausen nach 1900, als Dorf mit damals zwischen 500 und 600 Einwohnern, insgesamt 4 Gaststätten und davon 3 mit Tanzsaal hatte. Das Gasthaus im Haupthaus ist allerdings um einiges älter, wird es doch schon 1841 als Anwesen mit Tanzboden und Backhaus erwähnt, das schon im Jahr 1813 bestand.

 

 

Weiter Richtung Schollenberg erreichen wir nun die 1844 eingeweihte evangelische Kirche. Die Kirche wurde gebaut, um ein kleines Kirchlein, das sich bis 1840 auf dem heutigen Friedhof befand, zu ersetzen und um mehr Platz für eine gewachsene Zahl von Gläubigen zu schaffen.

8  evkirche.jpgDer Bau stammte noch aus der Zeit, als das Kloster bestand. Die Kirche  diente ursprünglich wohl den Personen als Gotteshaus, die die Klausur  des Kosters nicht betreten durften. Vielleicht war sie auch von Anfang an Gemeindekirche.Aller Wahrscheinlichkeit nach stiftete Graf Cuno II. nach der Aufhebung des Klosters  in den Jahren 1521 oder 1525 die Seelsorgestelle zu Ehren der Mutter Gottes sowie der Heiligen Ulrich und Nikolaus. Auch nach Einführung der Reformation blieb die kleine Kirche der Gemeinde erhalten und diente als deren Gotteshaus. So ist sie auch in dem ältesten Ortsplan von Hertlingshausen, einer französischen Kriegskarte aus dem Jahre 1696 zu sehen.

 

 

9  Streichhölzer.jpgDer Kirche gegenüber wurden in der Scheuer eines Hauses, in einer alten Sandsteinmauer, im Jahr 2000 eine Spandose mit Zündhölzern sowie Holzformen zur Fertigung von Streichholz-döschen gefunden. Dass in Hertlingshausen Streichhölzer ab den 1840-er Jahren produziert wurden, wird in einer Abhandlung (3) über die Händler in Hertlingshausen geschrieben. Der  älteste Hinweis findet sich als Eintrag im Handelsregister  Frankenthal von 1862 . Johann Adam Noll II ist dort als „ Inhaber des bestehenden Spezerei und Streichhölzchen-fabrikationsgeschäfts“   vermerkt. Die Bestimmung des Grundstücks findet sich in einem Erwerbsakt von 1866, zur Plan Nr. 78 „ mit Zündholzfabrikationsgebäude, Stall, Hof am Schollenberg“.

 

Wir gehen weiter Richtung Schollenberg hinauf. Die Straße ist im Urkataster der Gemeinde von 1841 als „ Am Schollenberg“ eingetragen. Jedoch wurde sie vorher in Dokumenten bereits im 14.Jahrhundert als Schorlenberg genannt und trägt auch heute wieder diesen Namen.

10   Wasserhaus.jpg Wir werfen einen Blick in das „Tal zum kleinen Frankreich“. Dort erblicken wir das im Jahre 1908 für Hertlingshausen und Carlsberg erbaute Wasserhaus, von dem aus die Orte mit Wasser versorgt werden. Das Wasser wird über 3 Tiefbrunnen im Tal gewonnen. Im Tal, weiter nach Westen, liegt der Ortsteil „Kleinfrankreich“ in dem der Eckbach entspringt, früher auch Karlbach genannt. Die Flurbezeichnung „Kleinfrankreich“ erstreckt sich auf Karten aus dem Jahr 1841 noch weit hinauf  in die Carlsberger Gemarkung und wird dort vom heutigen Böhlweg im Norden und der heutigen Wattenheimer Straße im Osten begrenzt.

 

 

11  steinbruch.jpgWeiter den Schollenberg hinauf erblicken wir links einen kleineren und am Ende der geteerten Straße den großen Sandsteinbruch. Der Abbau von Sandstein im großen Steinbruch bot in der Zeit zwischen 1880/85 und 1940 bis zu 30 Beschäftigten Arbeit. Heute wird das Gelände als privates Freizeitgelände genutzt, in dem viele Bäume gewachsen sind. Vom Weg aus sieht man noch vereinzelt schroff abfallende Sandsteinwände.

 

 

12  NFhaus.tifWir folgen nun der Wegemarkierung zum Naturfreundehaus Rahnenhof und erreichen nach wenigen Minuten den größten Gaststätten- und Beherbergungsbetrieb in Hertlinghausen. Ein beliebtes Ziel für Wanderer, Wochendausflügler und Urlauber.

 

Unser Weg zurück ins Dorf biegt vor einer Informationstafel links in einen Waldweg ein. Wir haben nun den Harzofenberg erreicht. Der Name geht auf die Tatsache zurück, dass in diesem Gebiet früher Harzöfen betrieben wurden. In Harzöfen wurde flüssiges Harz bearbeitet, so dass man Terpentinöl und nichtflüssigen Harz gewinnen konnte. Letzterer wurde z. B. zur Herstellung von Wagenschmiere, Papierleim, Lacken und Firnissen verwandt. (2)

 

Unser Weg geht leicht bergauf bis zum Sportplatz des TUS Hertlingshausen, mit Vereinsgaststätte und Turnhalle. Hier wird nicht nur Sport getrieben, sondern seit über 30 Jahren finden, getragen von den Vereinen des Dorfes, in der Halle an Fastnacht mehrere Prunksitzungen statt.

 

Bergab kommen wir nun links ab in die Straße „Am Klosterhof“. Vor dem Friedhof machen wir Halt. Wir sind nun im geschichtsträchtigsten Teil des Dorfes. Hier, im Bereich Friedhof bis zur Einmündung der Dorfstraße in die Klosterhofstraße stand das zwischen 1120 und 1212 erbaute Kloster der Augustiner Chorfrauen. Es war dem heiligen St. Ulrich geweiht.(4) Es war ein Parallelkloster zum Männerkloster in Höningen gestiftet von den Grafen von Leiningen. In den Anfangsjahren, bis Mitte des 13. Jahrhunderts unterstand es dem Kloster Höningen. Zumindest kam bis dahin der Probst von dort, der sich um die wirtschaftlichen Belange des Klosters kümmerte. Nach 1246 lassen sich weder Pröbste noch Verbindungen zum Kloster Höningen nachweisen. 1294 besaßen die Chorfrauen ein eigenes Siegel, was auf Unabhängigkeit schließen lässt. 15a Klostersiegel1427 findet sich die letzte Erwähnung des Konvents der Chorfrauen. Bei der Auflösung des Frauenkonvents waren die Konventsgebäude zerfallen.(4) Danach, zwischen 1427 und vor 1434 fand ein Ordenswechsel statt. Das Kloster wurde an das Haus Stephansfeld des Heilig-Geist-Ordens bei Brumath im Elsass übergeben, der die Gebäude wieder herstellen ließ. Die Hauptaufgabe dieses Ordens bestand im Dienst an den Armen und Kranken, was auch zur Einrichtung eines Hospitals führte. 1460 wurden die Gebäude des Kloster bei einem Brand zerstört. Doch Kloster und Kirche wurden wieder aufgebaut .Bis ins Jahr 1499 gibt es Belege über Geschäfte des Heiliggeist Ordens in Hertlingshausen.(4) Schließlich wurde das Kloster durch einen Brand 1504 zerstört. Dies führte zur Aufhebung des Klosters im Jahre 1521.

Einzig das  kleine Kirchlein auf dem Friedhof, blieb  bis 1840  als  einziger  Rest aus der Zeit des Klosters bestehen. Die übrigen Gebäude wurden abgetragen und zum Bau von Häusern im Dorf und zur Errichtung des Großen Hofguts Klosterhof verwendet, dessen Errichtung durch den Leininger Graf Philipp I. auf das Jahr 1585 datiert wird.

 

Den Stein mit der Jahreszahl, der einst den Torborgen des Hofguts zierte, sieht man heute in der Wand des Hauses, in dem man bis 1972 in das einst traditionsreiche Gasthaus des Dorfes „Zum Klosterhof“ einkehren konnte. Leider sind heute keine Gebäude oder Gebäudeteile mehr sichtbar die als Teile des früheren Klosters erhalten wurden. Auch die Größe und Anordnung der zum Kloster gehörenden Gebäude ist  nicht bekannt.  Einzig in der Innenseite der heutigen Friedhofsmauer findet man mehrere Spolien, die wohl dem Kloster zuzuordnen sind. Auch sind in mehreren Häusern in der Klosterhofstraße Lüftungssteine verbaut, von denen vermutet wird, daß sie vom Kloster stammen. Aber einen Beleg für die Richtigkeit dieser Annahme gibt es nicht.

 

 

Dem Friedhof gegenüber liegt ein Schilfgebiet. Hier war einst der Scheerwoog. Ein Weiher der in V- Form um die heute bebaute Anhöhe lag. Sein Wasser, gespeist vom Eckbach und Frauenbach diente der dahinter gelegenen Mühle als Energiespeicher. Der Damm über den eine Straße führt, ist noch erhalten. Die Mühle war einst Klostermühle und gehörte später als Besitz der Grafen zum Klosterhof. In Schriften und auf Karten wird sie als Scheerwoogmühle oder auch als Kleiner Klosterhof erwähnt.

 

 

Wer zu der Mühle laufen möchte, folgt der Unterdorfstraße bis zu besagtem Damm. Ein Abstecher zum Lampertsteig führt zu dem nachfolgend beschriebenen Gelände des Verschönerungsvereins mit dem Neuen Sauhäuschen. Von dort geht es zurück bis zur Dorfstraße.

 

Unweit der früheren Mühle, am Lampertsteig unterhalb vom Kahlenberg finden wir das 1972 fertig gestellte Neue Sauhäuschen des Verschönerungsvereins. Hier findet alljährlich am 3. Samstag im März das „Eigschärrte“ statt. Ein beliebtes Fest, einmalig in der näheren Umgebung, bei dem man, wie dies früher Waldarbeiter taten, seine mitgebrachten Speisen, heute eingepackt in Alufolie, in Buchenholzglut garen kann. Am letzten Juliwochenende feiern wir dort die Sauhäuschenkerwe. Ein Waldfest, das von 1912 an, etwa eine Wegstunde vom Dorf entfernt, im Wald am Sauhäuschen, das es heute noch gibt, gefeiert wurde,. Aus verschiedenen Gründen konnte das Fest dort nicht mehr stattfinden, und so verlegte man es 1972 an den heutigen Platz.

 

Wir biegen nun in die Dorfstraße ein. Nach kurzem Anstieg treffen wir auf das, leider im Zerfall befindliche, frühere Gasthaus Zum Hirsch. Es wurde Ende Januar 1996 geschlossen und steht seitdem leer. Es war die letzte, in der Dorfmitte verbliebene, von einst 4 Gaststätten im Dorf. Das bereits im 19. Jahrhundert erwähnte Gasthaus, über lange Jahre im Besitz der Familie Heinrich, wurde im Jahre 1909 in einer Druckschrift des „Wandervogel“ als Unterkunft für Wanderer angepriesen: „Gute Unterkunft findet man im K u r – und G a s t h a u s „Zum Hirsch“ (Heinrich). Pension 3-4 M. 7 Betten. Telefonanschluss an Amt Hettenleidelheim. Ruf Nr.10“.

 

Dem Gasthaus gegenüber stand ein Gebäude in dem sich ab ca. 1880 bis kurz vor Ende des 19. Jahrhunderts für wenige Jahre eine Schuhfabrik ( Leichtschuhmacherei) befand. Trotz geringer Löhne und staatlicher Starthilfen konnte sich das Gewerbe, vor allem wegen zu hoher Transportkosten, nicht halten. (3)

 

Der Blick fällt nun auf ein großes Haus. Es wurde im 18. Jahrhundert gebaut und im Jahre 1850 zu der heutigen Größe ausgebaut. Die Jahreszahl 1850 ist auf der Straßenseite noch sichtbar. Das Haus diente im 18. und 19. Jahrhundert als Schulhaus. Solange bis 1907 ein neues Schulgebäude errichtet wurde. In dem Haus war auch die Gemeindeverwaltung Hertlingshausen untergebracht und das obere Stockwerk diente bis 1965 als Wohnung für Lehrer der Schule in Hertlingshausen. Nach der Eingemeindung der eigenständigen Gemeinde Hertlingshausen im Jahre 1969 zu Carlsberg wurden die Räume der Gemeindeverwaltung frei. Da auch die Lehrerwohnung nicht mehr benötigt wurde, verkaufte die Gemeinde das Gebäude.

Weiter, wieder in Richtung Hauptstraße schauen wir auf ein Haus direkt neben der früheren Schule und ehemaligen Gemeindeverwaltung. Hier befand sich vor Ende des 19. Jahrhunderts die erste Metzgerei im Ort. Ein hinter dem Haus gelegenes kleines Haus war das Schlachthaus. Der Metzger, Emmanuel Michels, ein Jude schlachtete nur Rinder, keine Schweine. Karl Rössel (1) beschreibt die Situation, als dies noch die einzige Metzgerei im Dorf war, folgendermaßen: „In dieser Zeit hat die Frau Hepp von Altleiningen jeden Samstag das ganze Schweinefleisch und Wurst in einem Henkelkorb auf dem Kopf nach Hertlingshausen gebracht. Für die ganze Woche.“ 1925 übernahm Philipp Heinrich. Später wurde ein Lebensmittelgeschäft mit Verkauf von Fleisch und Wurstwaren eröffnet. 1985 setzten sich die letzten Inhaber, die Familie Holatschek, zur Ruhe. Heute ist hier ein Wohnhaus.

 

Weiter zum Dorfbrunnen, hier schließt sich der Kreis, und die Hauptstraße entlang geht es zurück zum Bürgerhaus, an dem unser kleiner Rundweg begann.

 

  1. Karl Rössel, geb. 1899, „ Erlebnis und Gedächtnisurkunde 1983“
  2. Roland Paul Der Pfälzerwald – Portrait einer Landschaft
  3. Karl Heinrich Klein ( Lehrer u. Bürgermeister in Altleiningen) Schriften des Vereins für Sozialpolitik BD 77 von 1898
  4. Klosterlexikon der Pfalz, Band 2, 2014