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Historischer Rundweg Hertlingshausen

 

Tafel 2: Dorfbrunnen

 

Die Hauptstraße
Die Straße beginnt am Ortseingang von Altleiningen kommend und endet an der protestantischen Kirche. Im Mittelalter war sie als Durchgangsstraße Teil einer bedeutenden Landstraße von Kaiserslautern nach Worms. Sie bestand schon, als das Dorf als „Hertingeshusen“ 1335 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Bereits für das Jahr 1323 wird das Geleitrecht der Grafen von Leiningen auf dieser Straße erwähnt. Sie hatten hier eine Zollstätte angelegt, welches Recht ihnen Kaiser Friedrich III im Jahre 1483 bestätigte. Berichte über die Instandhaltung der Straße Richtung Kaiserslautern belegen, dass sie noch Ende des 19. Jahrhunderts als Durchgangsstraße diente. Hier befand sich vermutlich auch das Wirtshaus dessen Verkauf 1571 beurkundet ist. Durchreisende machten hier Station. Als man 1840 mit dem Bau der neuen protestantischen Kirche am westlichen Ende der Straße begann, zählte man entlang der Hauptstraße 19 Wohngebäude. In den Folgejahren gab es eine rege Bautätigkeit, die zunehmend auch Geschäfte in die Hauptstraße brachte. Eine Vielfalt an Einkaufsmöglichkeiten entstand.

Tankstelle Gimbel (Hauptstr. 5)Tankstelle Gimbel
Auf der Dreispitz neben der Einmündung der Ramserhohl in die Hauptstraße wurde 1955 die erste und einzige Tankstelle eröffnet. Der Inhaber,Hans Gimbel, war von Beruf Sattler und sah hier eine weitere Erwerbsquelle. Ende der 1970er Jahre wurden sowohl die Tankstelle als auch die Sattlerei aufgegeben.

Die Dorfbäckerei (Hauptstr. 13)Stein mit Jahreszahl
Der Beruf des Bäckers wird im Ort schon im 17. Jahrhundert erwähnt. Ältestes sichtbares Zeugnis ist ein Stein von 1732 mit den Initialen des Bäckers Georg Hess. Wo er wohnte und seinen Beruf ausübte ist unbekannt. In der Hauptstraße 13 stand ein landwirtschaftliches Anwesen, dessen Bestehen sich bis ins Jahr 1700 zurückverfolgen lässt. Hier eröffnete Friedrich Cartano 1897 ein Bäckereigeschäft mit Mehlhandlung, das er 1900 an den Bäckermeister Friedrich Pfeiffer verkaufte. Dieser baute das Haus 1907 um und vergrößerte es. 1953 übergab er die Bäckerei an seinen Sohn. Die Backstube im Dorf wurde 1984 aufgegeben. Danach, bis 2015 war es Bäckereifiliale.1999 eröffnete ein zweiter Laden, in dem bis 2015 Produkte aus biologischem Anbau und Tee angeboten wurden.

 

Baustoff- und Kohlenhandlung (Hauptstr. 14)
Andreas Lautensack eröffnete 1920 eine Getreideannahmestelle, die er bis zum Jahr 1935 in eine Kohlen-, Futterartikel und Baumaterialienhandlung erweiterte. Als weitere Inhaber folgten die Familien Rödel und Heiser. 1968 wurde das Geschäft auf ein größeres Gelände, ebenfalls in der Hauptstraße verlegt

 

Die Metzgerei Noll (Hauptstr. 18)
1898 eröffnet der Schreiner Friedrich Noll, der 1894 ein Gewerbe für „Schweinemetzgerarbeiten“ angemeldet hatte und mit Hausschlachtungen im Ort tätig war, sein Geschäft. Zu dem Anwesen gehörte bis in die 1960er Jahre auch ein landwirtschaftlicher Betrieb. So stammte ein Teil des Fleisches und der Wurstwaren, die nach eigener Schlachtung im Laden verkauft wurden, von Schweinen aus eigener Züchtung. Auch die im Ort ansässigen Landwirte lieferten Tiere an den Metzger des Dorfes. So wuchs ein Familienbetrieb, der bis heute in der vierten Generation besteht.

 

Die Gemischtwarenläden (Hauptstr. 15 und Hauptstr. 22)
1885 eröffnete der Kaufmann Johann Adam Mann ein Geschäft für Gemischtwaren, heute Hauptstraße Nr.15. Ihm folgte sein Sohn. Danach wechselten häufig die Besitzer. 1930 richtete der damalige Inhaber Christian Herrmann Rahn in dem „Warenhaus“ eine Friseurstube ein. Diese wurde aufgegeben als Emil Dörner das Geschäft 1939 kaufte. Ihm folgten weitere Inhaber, zuletzt die Metzgerfamilie Noll. 1981riss man das Haus bis auf wenige Mauern ab. Im Neubau entstand ein Lebensmittelgeschäft mit größerer Verkaufsfläche, in dem zeitweise auch die Postagentur Platz fand. 2006 wurde dieses Geschäft, das letzte im Dorf verbliebene Lebensmittelgeschäft mit Gemischtwaren, geschlossen.

Hauptstraße

Hauptstraße bei Ankunftder Postkutsche um 1920

 

Für das Jahr 1896 findet man den Eintrag, dass Adam Dörner im Haus Hauptstr. 22 ein Geschäft für „Emailliertes Geschirr Niederlage“ und 1897 ein Gewerbe als „Rasierer und Herrnschneider“ anmeldete. 1901 kommt ein „Verkaufsraum Küchengeschirr im kleinen Ladenbetrieb“ dazu. 1909 findet man ihn als „Postbote“ verzeichnet. 1919 folgte schließlich die Anmeldung eines Geschäfts für „Kolonialwaren“, das bis in die 1930er Jahre bestand.

 

TextilwarengeschäftTextilwarengeschäfte (Hauptstr. 11, Hauptstr. 20 und Hauptstr. 24)
An Silvester 1944 wurde das frühere Haus Hauptstr. 11 bei einem Bombenangriff zerstört. Gegenüber dem Gemischtwarenladen in der Hauptstraße 20 betrieb Martin Noll schon bald nach dem 2. Weltkrieg ein Geschäft für Textilwaren. Nach dessen Schließung 1985 zog im Erdgeschoß von 1985 bis 1995 die Poststelle ein. In einem neuen Flachbau eröffnete Friedrich Schorb 1955 ein Textilwarengeschäft, das er bis 1974 betrieb.

1951 übernahm die Familie Willy Bastian das Gasthaus „Zur Linde“, Hauptstr. 24 und richtete einen Groß- und Einzelhandel für Textilwaren mit eigener Strickerei ein. Die Strickerei bestand bis Anfang der 1960er Jahre. Es war die Zeit, in der noch immer viele Einwohner des Dorfes durch ambulanten Handel mit Textilien ihren Lebensunterhalt verdienten. Im Jahr 1954 wird, aus Anlass des 60 jährigen Jubiläums des Handelsvereins Hertlingshausen berichtet, daß 40 Familien des Dorfes in diesem Gewerbe tätig sind. Die Anfänge lassen sich bis 1740 zurückverfolgen. Das Textilgeschäft Bastian wurde als letztes noch Bestehendes in den 1980er Jahren aufgegeben.

Strickerei im Textilgeschäft Bastian vor 1960 , Hauptstr. 24Strickerei im Textilgeschäft Bastian vor 1960 , Hauptstr. 24

 

Die Schmiede (Hauptstr. 19)
Schon 1728, wird ein Johann Krebs als Schmied erwähnt, 1736 der Schmiedemeister Joh. Thomas Armbrust. Wo sie ihr Handwerk ausübten, kann nicht festgestellt werden. Das Anwesen mit Schmiede in der Hauptstraße 19 wurde 1850 vom Schmied Friedrich Andreas Koop erworben. 1878 bis 1896 ist Peter Kirsch, als „Huf und Grobschmied“, verzeichnet. Ihm folgt Johann Schmitt als „Grobschmied ohne Gehilfe“. 1907 wurden alle Gebäude auf dem Grundstück abgerissen, das Ende der Schmiede. Geblieben ist einzig der Trog des Jahres 1889, der heute einen Teil des Dorfbrunnens bildet. Danach nutzen Eduard Noll und dessen Sohn Erwin Noll, das neu erbaute Anwesen als landwirtschaftlichen Betrieb. Dieser musste nach dem plötzlichen Tod des Landwirts Erwin Noll in den 1970er Jahren eingestellt werden. Das Gasthaus „Zum Pfälzer Wald“ bestand nachweislich 1812 als Anwesen mit Gaststätte, Tanzboden und Backhaus. Besitzer war damals Johann Friedrich Noll. Im Jahr 1900 ließ eine spätere Besitzerin, die Witwe Juliana Gimbel, einen neuen Tanzsaal anbauen. Von 1940 bis 1945 war hier der Gemeindekindergarten untergebracht. Zuletzt führte Jakob Wingertzahn sen. das Gasthaus bis 1960. Ein Teil des Anwesens war ein landwirtschaftlicher Betrieb in dem auch Milchkühe gehalten wurden. Dieser bestand bis 1977.

 

Haupstraße im Jahre 1968Die Hauptstraße im Jahr 1968

 

Die Gasthäuser „Zur Linde“ (Hauptstr. 24) und „Zum Pfälzer Wald“ (Hauptstr. 31)
Das Gasthaus Zur Linde bestand seit den 1860er Jahren. Die Familie des Johann Adam Mann eröffnete das Gasthaus. 1887 erweitert die Familie Friedrich Gimbel das Anwesen durch den Anbau von Wirtschaftsräumen. Zum Gasthaus gehörte auch ein Tanzsaal, der 1902 erweitert wurde. In seiner fast 100 jährigen Geschichte sah man zahlreiche Wirte. Zuletzt übernahm die Familie Philipp Specht das Lokal und führte es bis zu seiner Schließung 1951. Bei vielen Festen, Jubiläen von Vereinen, dem Dekanatsfest der prot. Kirchengemeinde 1927 und natürlich bei der alljährlichen Kerwe wurde das Gasthaus stets als Ort geselligen Miteinanders erwähnt.

Sandsteingewölbekeller des Gasthauses „Zur Linde“Sandsteingewölbekeller des Gasthauses „Zur Linde“

 

Das Gasthaus „Zum Pfälzer Wald“ bestand nachweislich 1812 als Anwesen mit Gaststätte, Tanzboden und Backhaus. Besitzer war damals Johann Friedrich Noll. Im Jahr 1900 ließ eine spätere Besitzerin, die Witwe Juliana Gimbel, einen neuen Tanzsaal anbauen. Von 1940 bis 1945 war hier der Gemeindekindergarten untergebracht. Zuletzt führte Jakob Wingertzahn sen. das Gasthaus bis 1960. Ein Teil des Anwesens war ein landwirtschaftlicher Betrieb in dem auch Milchkühe gehalten wurden. Dieser bestand bis 1977.

Kerweburschen vor dem Gasthaus "zum Pfälzer Wald"Kerweburschen vor dem Gasthaus "zum Pfälzer Wald"

 

Die Schreinerei (Hauptstr. 30 – zuerst Hauptstr. 5)
Schon im 19. Jahrhundert findet man den Beruf des Schreiners in Hertlingshausen. So wurde 1834 Johnann Adam Noll als Schreiner erwähnt. 1874 erwarb der Schreiner Johannes Noll das Gasthaus „Zur Linde“. 1893 eröffnete Martin Noll II. ein „Schreinereigewerbe mit eigner Werkstatt“. Im Jahr 1896 meldete Adam Merz ein „Schreinereigewerbe“ an, das in der Hauptstraße Nr. 5 Platz fand. Sein Sohn Heinz übernahm die Schreinerei. Um die Werkstatt zu vergrößern verlegte er sie in die Hauptstraße 30. Dort bestand sie bis zum Jahr 2005.


Die Streichhölzchen Fabrikation (Hauptstr. 47)
Etwa ab 1840 gab es ein „Streichhölzchenfabrikationsgeschäft“, in dem bis 1866 Zündhölzer hergestellt wurden. Ambulante Händler des Dorfes verkauften diese auf ihren Reisen. 1862 war Johann Adam Noll II., Handelsmann, Bäcker und Wirt als Inhaber des Geschäftes im Handelsregister eingetragen. Seine vielen Tätigkeiten waren für die damalige Zeit nicht einzigartig. Viele Einwohner übten zwei „Berufe“ aus.
Im Jahr 2000 fand man beim Abriss einer Mauer des Anwesens eine Original Spandose mit Zündhölzern, die in dem früheren Betrieb hergestellt worden waren.

Original Spandose aus Mitte des 19. JahrhundertsAnwesen der früheren Streichhölzchenfabrikation nach Umbau heute

Die protestantische KircheDas Kircheninnere nach Renovierung 1881
Die Finanzierung des Kirchenbaus war ein großes Problem. Erst die Erlaubnis des Königs Ludwig von Bayern, in sämtlichen protestantischen Kirchen des damaligen Rheinkreises eine Kollekte durchzuführen, brachte erste Gelder zusammen.
Die Arbeiten zum Bau der Kirche begannen 1840. Geweiht wurde sie am Kirchweihtag, 4. August 1844. Es dauerte Jahre bis sie wirklich fertig war. Sie erhielt 1866 eine zweite Glocke und 1871 eine mechanische Schleifladenorgel durch den Orgelbauer Johann Mayer. Durch fleißiges Sammeln von Spendengeldern konnte 1897 ein Ofen in der Kirche aufgestellt werden. In beiden Weltkriegen mußten immer wieder Glocken und 1917 auch die Orgelpfeifen abgegeben werden. So auch die 151 kg schwere im Jahr 1866 gegossene Bronzeglocke. Das heutige Geläut besteht aus einer 1921 von der Gießerei Pfeiffer in Kaiserslautern und zwei 1965 vom Glockengießer F.W. Schilling in Heidelberg gegossenen Glocken.
Ihre Töne h – d – fis ergeben einen H-moll Dreiklang. Zuletzt erlitt die Orgel einen schweren Schaden. Nach aufwändiger Renovierung konnte sie 2016 wieder in Dienst und bei einem Konzert in schöner Klangfülle vorgestellt werden.