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Historischer Rundweg Hertlingshausen

 

Tafel 6: Rahnenhof

 

Kleiner ScheerwoogAusschnitt aus Karte mit Rahnenhof und einstiger Lage des Kleinen Scheerwoog (LASP W 41 8715 von 1839)
Im Gegensatz zum Großen Scheerwoog, der in der Mitte des Dorfes vor der früheren Klostermühle lag, ist der einst am Ausgang des Frauentals gelegene Kleine Scheerwoog heute in Vergessenheit geraten. Er befand sich zwischen dem „Weiherdamm“ über den heute eine Straße führt, der dahinter liegenden Wiese und dem sich anschließenden, nach Auffüllung des Geländes, entstandenen Parkplatz. Der Woog wurde bereits im Feldbuch der Gemeinde Hertlingshausen aus dem Jahr 1731 genannt. Der Kleine Scheerwoog war mit Fischen besetzt und wurde als herrschaftlicher Fischweiher von den Grafen zu Leiningen- Westerburg genutzt. Um 1845 wurde er abgelassen und es entstanden Wiesen.

 

Der Rahnenhof
Rahnenhof 1924, Jahr der Einweihung als NaturfreundehausÜber die Gründung des Rahnenhofes sind bis heute keine schriftlichen Quellen bekannt. Aller Wahrscheinlichkeit nach erfolgte diese aber um das Jahr 1722 durch Johann Ludwig Trübel, was auch den ursprünglichen Namen „Ludwigshoff“ erklären würde. 1763 heiratete Johann Jacob Rahn in die Familie Trübel ein und übernahm kurz darauf den „Ludwigshoff“. Dieser Name war bis 1816 geläufig. Letzter Hofbeständer unter den Leininger Grafen war Johann Jacob RAHN (1744 bis 1816). Erst nach seinem Tod erhielt der Hof seinen bis heute gebräuchlichen Namen, RAHNENHOF.

1920, 100 Jahre später begann die gemeinsame Geschichte der Frankenthaler Naturfreunde und des „Rahnenhofes“. Die Naturfreunde stimmten dem Kauf des Hofes mit 37.000 qm Gelände zu. Die Frankenthaler Naturfreunde waren aber finanziell nicht in der Lage, dieses Projekt alleine zu stemmen. Es schlossen sich fünf Ortsgruppen aus dem „Gau Pfalz“ zusammen (neben Frankenthal, Haßloch, Neustadt, Oggersheim und Speyer). Sie bauten ab 1921 das alte Gehöft unter Leitung von Georg Lindner in vielen ehrenamtlichen Stunden um. 1924 wurde das „Pfälzer Naturfreundehaus Rahnenhof“ in einer Feierstunde gemeinsam feierlich eingeweiht.

1933 wurde die Organisation der Naturfreunde verboten und der Rahnenhof enteignet.

1934 errichtete der Reichsarbeitsdienst auf dem Gelände eine Wehrmachtsbarracke.

1948 werden die Gebäude des ursprünglichen „Rahnenhof“ im vollständig ausgeraubten und heruntergekommenen Zustand an die Naturfreunde zurückgegeben.

1958 begannen Jahre des Umbaus, der Erweiterung und Modernisierung. Die Gebäude des alten „Rahnenhof“ wurden weitestgehend abgerissen. Bis in die siebziger Jahre wurden benachbarte Grundstücke und das frühere Bauernhaus der Familie Henn erworben. Der letzte Ausbau des Naturfreundehauses zu heutiger Größe erfolgte 1986. Ein Freizeitbereich mit Sauna und Kegelbahnen wurde errichtet. Es entstanden komfortablere Doppel- und Einzelzimmer mit Dusche/WC, in denen bis zu 85 Gäste übernachten können. Diese Bettenkapazität hält das „Naturfreundehaus Rahnenhof“ bis heute vor.

 

Das Schullandheim der Stadt Frankenthal
Die Reichsarbeitsdienstbaracke diente ab 1952 als Schullandheim Die Stadt Frankenthal erwarb 1958 den Teil des Geländes des früheren Rahnenhofs, auf dem 1933 der damalige Reichsarbeitsdienst eine Wehrmachtsbaracke errichtet hatte. Vorher ab 1952 hatte man das Gelände von den Frankenthaler Naturfreunden gepachtet und die Holzbaracke zum ersten Schullandheim in Rheinland-Pfalz umgebaut. Neben Schulklassen aus Frankenthal, die alljährlich mitten im Wald Schule und Erholung erlebten und heute noch erleben, kamen in den Sommerferien auch regelmäßig Schulklassen aus Berlin zur Freizeit ins Schullandheim. Nach dem Kauf folgten in mehreren Abschnitten ab 1980 bis 1991 Modernisierungen und Erweiterungen. Die Schlafsäle der Anfangsjahre, in denen zeitweilig 40, sogar bis 50 Kinder untergebracht waren, verschwanden. Heute findet sich auf dem Gelände neben dem Wirtschaftstrakt auch ein stattliches Wohngebäude mit 76 Betten.

 

Der Harzofenberg
Auf dem Weg zur Ortsmitte durchqueren wir ein Waldgebiet mit Namen Harzofenberg. In diesem Gebiet wurden nachweislich Harzöfen betrieben. Im Jahr 2000 fand man noch Reste eines Harzofens auf einem Privatgrundstück am Fuß des Berges. Dieser war eine Art Ringofen. Man füllte den Innenraum mit Stockholz. Der wurde gut verschlossen und vom äußeren Ring mit Astholz erhitzt. Dabei verdampfte die natürliche Feuchtigkeit des Holzes und riß das im Stockholz vorhandene Terpentinöl mit, das dann, im Kühler gekühlt, Kienöl ergab. Das zuerst austretende, noch stark mit Kienöl vermischte Produkt, das Harzöl, gab mit Kalk verseift die Wagenschmiere. So waren Kienöl, Wagenschmiere und Holzkohlen die Endprodukte des Brennens. (Quelle Schwender Jakob Carlsberg) Die Leininger Grafen als Besitzer der Wälder, schlossen im 18. Jahrhundert Pachtverträge, mittels denen sie Harzbrennern die Ausübung des Gewerbes erlaubten. Neben der Tätigkeit als Waldarbeiter, dem Sammeln von Beeren, Kiefern- und Tannenzapfen war dies eine weitere Erwerbsquelle, die der Wald den Bewohnern von Hertlingshausen bot. Da die landwirtschaftlichen Flächen keine großen Erträge lieferten und über viele Jahrhunderte von den Grafen an wenige Erbbeständer vergeben wurden, waren die Tätigkeiten, im das Dorf umgebenden Wald, bedeutend für die Ernährung vieler Dorfbewohner.