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Tafel 8 Fruehere Muehle

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Historischer Rundweg Hertlingshausen

 

Tafel 8: Frühere Mühle / kleiner Klosterhof

 

Der Kleine Klosterhof
Ein erster Beleg für die Existenz des Hofes findet sich im Altleininger Gerichtsbuch aus dem Jahr 1592. Darin wird für das Jahr 1708 der Steinsatz (umgebende Grenzsteine) für den Kleinen Klosterhof beschrieben. Den Hof hatte zu dieser Zeit Johann Matthäus AMLUNG als „Kleiner Klosterhofmann“ im Bestand. Im Jahr 1736 folgte als Besitzer Heinrich GÖBELS. Er war der Erste in einer langen Reihe von Hofbesitzern der Müllerfamilie GÖBELS, die den Hof bis ins Jahr 1887 bewirtschafteten.

Welche Bedeutung die Familie im Dorf erlangte zeigt die Tatsache, daß Johannes Göbels II. von der bayrischen Staatsregierung 1844 als Bürgermeister eingesetzt wurde. Der wohlhabende Müller und Gutsbesitzer blieb 30 Jahre im Amt, bis er 1874 aus gesundheitlichen Gründen um seine Entlassung bat.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts umfasste das Hofgut eine Fläche von ca. 1960 Ar oder 70 Morgen Ackerland und Wiesen, wofür der jeweilige Erbbeständer, jährlich eine Erbpacht von 1225 Liter Korn und 1225 Liter Hafer an den Grafen von Leiningen-Westerburg-Altleiningen entrichten musste. Zudem mussten 16 Gulden für die Rinder- und Schafwiesen entrichtet werden. Das Hofgut umfasste damals, neben Wohnhaus und Mahlmühle, auch Scheuer, Stallungen, Schweineställe und einen Hofraum mit Springbrunnen.

 

Die Scheerwoogmühle
Die Scheerwogmühle wurde als Mühle des Klosters Hertlingshausen erstmals im Jahre 1447 erwähnt. Sie blieb auch nach Auflösung des Klosters im Jahre 1521 bestehen. Sie wurde Teil des „Kleinen Klosterhofes“. Die Mühle bestand anfangs aus einer Getreide- und Ölmühle. Diese wurde später noch durch eine Hanfreibe ergänzt. Ansicht des Kleinen Klosterhofs um 1850Die Getreidemühle, bestehend aus Schäl- und Mahlgang, diente der Mehlherstellung. In der Ölmühle wurde aus den Samen der Hanf- und Flachspflanzen Öl gewonnen, welches vorwiegend als Lampenöl verwendet wurde. Die Hanfreibe diente zur Verarbeitung von Pflanzenfasern des gemeinen Lein oder Flachs.

Großer Scheerwoog und Kleiner Klosterhof einschließlich Mühle. Quelle:(LASP W41 8715 von 1839)

Der Große Scheerwoog
Da wo sich heute ein Feuchtbiotop mit Schilfbewuchs befindet, befand sich früher der Große Scheerwoog. Er gehörte den Grafen von Leiningen, die ihn an Nutzer verpachteten. Er war ein Fischteich der zur Ernährung der Klosterbewohner und später der Hofleute des großen und kleinen Klosterhofes beitrug. Ebenso diente er als Wasserreservoir für die unterhalb befindliche Mühle. Er machte einen zuverlässigen Mühlenbetrieb erst möglich. Er wurde vom Frauenthalbach und hauptsächlich vom Eckbach gespeist. Zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurde er abgelassen, da unzählige Stechmücken, die auch in diesem Gewässer lebten, dazu führten, dass „mitunter die ganze Bevölkerung fieberkrank gewesen sei“, wie Historiker berichten. Nach dem Ablassen des Woogs wurde schließlich 1887 der Mühlenbetrieb eingestellt.

Heutiges Schilfgebiet (gelbbraune Fläche in der Bildmitte) zeigt in etwa die frühere Größe des Großen Scheerwoogs

Die Selighöfe
Folgt man dem Eckbach in Richtung Altleiningen, so findet man rechterhand nach ca. 300m zwei Ansiedlungen, den Oberen Selighof und den Unteren Selighof (Lage siehe Rundwegkarte). Erstmals erscheint der Selighof zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Urkunden. Namentlich nahm das für Hertlingshausen zuständige Gericht von Altleiningen die Begrenzung des Hofgebietes am 30.03.1708 des Selg Hoffes mittels Steinsatz vor. Offensichtlich nahmen zwei Neusiedler den Hof in Bestand. Ein Johann Gerhard Mayer vom Lauberhof bei Wattenheim, der im kath. Kirchenbuch von Neuleiningen 1711 als vom „Selighof bey Hertelshausen“ eingetragen ist. Daneben wird der aus der Schweiz stammende Johann Jacob Wehrling 1711 als Hofmann des Selighofs genannt. Es handelt sich hier um den heute Unterer Selighof genannten Teil. Der Obere Selighof ist wahrscheinlich um das Jahr 1790 entstanden, da erstmals 1793 ein Besitz auf dem Oberen
Selighof erwähnt wird. Woher stammt nun der Name? Im Volksmund sprach man zu Beginn des 18. Jahrhunderts kurz vom „Hof auf dem Sülch“. Demnach trägt der Selighof seinen Namen von dem viel älteren Seligtal, in welchem er im Jahre 1708 errichtet wurde. Dieses Tal wurde wohl ursprünglich Selchtal genannt.